Gärtner und Gärtnerinnen im Gespräch - Ein Interview mit dem RBB

Wurzeln schlagen in der Fremde…

…das wirkt auch positiv auf deutsche Nachbarn. Wer sich über Pflanzen, Dünger und Ernte austauscht, bleibt sich auf Dauer nicht fremd.
Ein interkultureller Garten in Berlin.

Etwas versteckt in der Kolonie „Guter Wille“ in Neukölln liegt Perivoli. Das ist griechisch und bedeutet: Garten. Fast viertausend Quadratmeter für Menschen aus vielen Nationen.
Gegen eine geringe Pachtgebühr beackern Griechen und Türken, Bosnier und Kroaten, Deutsche und Polen, Italiener und Iraker gemeinsam den sandigen Berliner Boden.
Es ist einer der beiden ältesten interkulturellen Gärten Berlins. Gegründet wurde er von griechischen Senioren, Träger ist nun der Neuköllner Förderverein „To Spiti“, ein Verein für griechische Familien.

Niki Reister
In diesem Garten versuchen wir uns zu verständigen, wir sprechen unsere Muttersprache oder auch nicht. Wir sind viel interkultureller als man denkt, gerade die Migranten.

Reporterin
Es heißt doch immer Multikulti ist tot?

Niki Reister
Nein nicht ‘multikulti’ – interkulturell. Multikulti ist parallel, inter ist miteinander, das ist der Unterschied.

Im Zentrum des Gartens eine besondere Attraktion. Der selbstgebaute Lehmofen. An Backtagen sorgt Hajdar rechtzeitig für die richtige Temperatur. Ihren eigenen Pizza-, Brot- oder Kuchenteig bringen die Frauen von zuhause mit. Die Spezialitäten aus den verschiedenen Ländern werden gemeinsam verzehrt.

Neben der eigenen kleinen Scholle bearbeiten immer zwei Gärtner aus verschiedenen Ländern die Gemeinschaftsbeete im Perivoli. Patenschaften für Flächen, die allen gehören, stärken den
Zusammenhalt in der Gruppe. Gärtnern erweitert den Horizont, meint Petra.

Petra
Durch das gemeinsame Arbeiten, Unkraut zupfen, lernen sich die Leute gut kennen, die sich auf der Straße nicht treffen, weil jeder in seinen Kreisen oder Bezirken lebt.
Ich hab’ mal kurz überlegt, will ich einen eigenen Garten. Dachte ich: o.k., die Fläche ist größer, aber mir würden all die Leute fehlen, da hab’ ich keine griechischen Frauen, mit denen ich schwatzen kann oder die mir Kochrezepte geben. Das ist das Tolle an so einem Garten.

Ein Nest haben und sich zuhause fühlen, das wollen alle, Deutsche ebenso wie Zuwanderer. Im Perivoli finden sie ein Stück Heimat, Heimat im weitesten Sinne.

(Quelle: RBB)

Das Interview zum Download (pdf)


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